Was ist das
Zunge, Lippen und Gesichtsmuskulatur arbeiten den ganzen Tag: beim Schlucken, Sprechen, Atmen — und in Ruhe. Wenn dieses Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht ist, spricht man von einer myofunktionellen oder orofazialen Störung. Typisch sind eine Zunge, die beim Schlucken gegen oder zwischen die Zähne drückt, ein dauerhaft offener Mund oder eine schlaffe Mundmuskulatur.
Das klingt harmlos, hat aber Folgen: Das ständige Zungenpressen kann Zahn- und Kieferfehlstellungen mitverursachen oder eine kieferorthopädische Behandlung ausbremsen. Deshalb kommen viele unserer Patientinnen und Patienten auf Empfehlung ihrer kieferorthopädischen oder zahnärztlichen Praxis zu uns.
In der Therapie bauen wir die Muskulatur gezielt auf und trainieren ein neues Schluckmuster — so lange, bis es automatisch abläuft.

Wann eingesetzt
- Bei Zungenfehlfunktion und viszeralem Schluckmuster (Zungenpressen)
- Begleitend zur kieferorthopädischen Behandlung, vor oder während der Zahnspange
- Bei dauerhafter Mundatmung und offener Mundhaltung
- Bei schlaffer Mund- und Gesichtsmuskulatur
- Wenn Aussprachefehler wie Lispeln mit der Zungenlage zusammenhängen
Hinweis: Die individuelle Eignung klärt eure Verordnung beziehungsweise das Gespräch mit unseren Therapeutinnen und Therapeuten.
Was zuhause weiterläuft
Muskeltraining wirkt über Wiederholung — das gilt für die Zunge genauso wie für jeden anderen Muskel. Deshalb gehören kurze tägliche Übungen fest dazu. Wir halten sie bewusst klein und alltagstauglich und passen sie von Termin zu Termin an. Bei Kindern zeigen wir euch Eltern, wie ihr das Üben begleiten könnt, ohne dass es zum Streitthema wird.
Unsere Methoden
- Befundung von Zungenruhelage, Schluckmuster, Mundmotorik und Atmung
- Gezielter Aufbau der Zungen-, Lippen- und Gesichtsmuskulatur
- Anbahnung und Automatisierung des korrekten Schluckmusters
- Übungsprogramme für zuhause, regelmäßig angepasst
- Abstimmung mit kieferorthopädischen und zahnärztlichen Praxen, wo sinnvoll
Verordnung und Kasse
Die Verordnung kommt häufig über die Kinderarzt-, HNO- oder Zahnarztpraxis, oft angestoßen durch die Kieferorthopädie. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten, für Kinder unter 18 entfällt die Zuzahlung. Eine Einheit dauert je nach Verordnung 30 oder 45 Minuten.
Häufige Fragen
- Warum schickt uns die Kieferorthopädin zur Logopädie?
- Wenn die Zunge beim Schlucken dauerhaft gegen die Zähne drückt, kann sie eine kieferorthopädische Korrektur immer wieder unterlaufen. Die myofunktionelle Therapie arbeitet an diesem Muster, damit Zahnspange und Muskulatur nicht gegeneinander arbeiten.
- In welchem Alter ist die Therapie sinnvoll?
- Häufig im Grundschul- und Jugendalter, oft parallel zur kieferorthopädischen Behandlung. Grundsätzlich ist sie in jedem Alter möglich — die Verordnung klärt den Einzelfall.
- Wie viel muss zuhause geübt werden?
- Regelmäßig, aber kurz — wenige Minuten täglich sind wirksamer als eine lange Einheit pro Woche. Die Übungen bekommt ihr genau gezeigt und angepasst.