Was ist das
Nach einem Schlaganfall, einer Hirnblutung oder einem Schädel-Hirn-Trauma ist oft die Sprache betroffen: Wörter sind plötzlich nicht mehr abrufbar, Sätze geraten durcheinander, Verstehen, Lesen oder Schreiben fallen schwer. Das nennt man Aphasie. Bei einer Dysarthrie ist dagegen das Sprechen selbst beeinträchtigt — die Muskulatur von Zunge, Lippen und Atmung arbeitet nicht mehr präzise, die Stimme wird verwaschen oder leise. Auch fortschreitende Erkrankungen wie Parkinson können das Sprechen auf diese Weise verändern.
Diese Patientinnen und Patienten bilden den größten Erwachsenen-Bereich unserer Logopädie. Die Therapie beginnt mit einer genauen Befundung: Was ist betroffen, was ist erhalten, was ist im Alltag am wichtigsten? Daran richtet sich die Behandlung aus — nicht an einem Schema.
Genauso wichtig wie das Üben selbst: Angehörige einzubeziehen. Wer versteht, was eine Aphasie ist und wie Kommunikation trotzdem gelingen kann, nimmt enorm viel Druck aus dem Alltag.
Wann eingesetzt
- Bei Aphasie nach Schlaganfall oder Hirnblutung — Wortfindung, Satzbau, Sprachverständnis, Lesen und Schreiben
- Bei Dysarthrie — verwaschenem, leisem oder angestrengtem Sprechen
- Bei Sprechapraxie — gestörter Planung der Sprechbewegungen
- Nach Schädel-Hirn-Trauma
- Bei Parkinson und anderen fortschreitenden neurologischen Erkrankungen
- Bei Gesichtslähmungen (Fazialisparese), die Sprechen und Mimik beeinträchtigen
Hinweis: Die individuelle Eignung klärt deine Verordnung beziehungsweise das Gespräch mit unseren Therapeutinnen und Therapeuten.
Was im Alltag weiterläuft
Ziel der Therapie ist nicht die perfekte Übungsleistung in der Praxis, sondern Kommunikation im echten Leben: das Gespräch mit der Familie, das Telefonat, der Einkauf. Deshalb arbeiten wir mit Material und Situationen, die zu deinem Alltag passen, und geben Angehörigen konkrete Strategien mit — etwa wie man Fragen stellt, die das Antworten erleichtern, statt unter Druck zu setzen.
Unsere Methoden
- Standardisierte Aphasie- und Dysarthrie-Diagnostik
- Sprachtherapie zu Wortfindung, Satzbau, Sprachverständnis, Lesen und Schreiben
- Sprechtraining zu Artikulation, Atmung, Stimme und Sprechtempo
- Übungsprogramme bei Parkinson mit Fokus auf Stimmkraft und Verständlichkeit
- Angehörigenberatung als fester Bestandteil
- Enge Abstimmung mit Neurologie, Hausarztpraxis und Physio- oder Ergotherapie im Haus
Verordnung und Kasse
Die Verordnung stellt in der Regel die Neurologin, der Neurologe oder die Hausarztpraxis aus, oft direkt im Anschluss an Klinik oder Reha. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten; du zahlst die gesetzliche Zuzahlung, sofern du nicht befreit bist. Eine Einheit dauert in der Regel 45 Minuten, bei ausgeprägten Befunden auch 60. Bei eingeschränkter Mobilität sind Hausbesuche möglich, wenn die Verordnung sie ausweist.
Häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen Aphasie und Dysarthrie?
- Bei einer Aphasie ist die Sprache selbst betroffen — Wörter finden, Sätze bilden, verstehen, lesen, schreiben. Bei einer Dysarthrie ist die Sprache im Kopf intakt, aber die Sprechmuskulatur macht nicht mehr richtig mit — das Sprechen klingt verwaschen, leise oder angestrengt. Beides kann auch zusammen auftreten.
- Wie schnell nach dem Schlaganfall sollte Logopädie beginnen?
- In der Regel so früh wie möglich — meist beginnt sie schon in der Klinik oder Reha und wird danach ambulant fortgesetzt. Aber auch Monate oder Jahre später kann Therapie sinnvoll sein. Die ärztliche Verordnung klärt den Rahmen.
- Sind Hausbesuche möglich?
- Wenn die ärztliche Verordnung einen Hausbesuch ausweist, ist das möglich — typisch bei stark eingeschränkter Mobilität. Sprich uns an, wenn du unsicher bist.